Ein alphabetischer Überblick zu den fachlichen Basics bei Mundwerk

Mundwerk-ABC

Unser Projekt dient der Grundversorgung mit selbsterzeugtem Gemüse und vielem mehr. Dabei steht nicht die Ausbeutung maximaler Erntemengen im Vordergrund sondern der Weg, dies für uns und folgende Generationen - enkeltauglich -  zu erreichen.

Lies dazu Rund um den Garten - die wichtigsten Infos für dich!

Boden ist unser wichtigstes Gut! Diese dünne Schicht überzieht mit Mächtigkeiten von nur wenigen Zentimetern bis Metern die obere Kruste unseres Planeten. Dort laufen ALLE wichtigen biologischen und für die Existenz landlebender Arten entscheidenden Prozesse ab. Daher steht er im Mittelpunkt dieses Projekts. Die Verarmung, Versiegelung, Vergiftung - um nur einige der aktuell drängensten Probleme anzusprechen - unserer Böden nimmt kontinuierlich zu. Die Frage nach der Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschafts- und Lebensweise stellt sich genau jetzt!

Sogenannte "Chemische Pflanzenschutzmittel" finden auf unserer Fläche keine Anwendung! Dennoch sind wir ihrem Einsatz in der direkten Umgebung unmittelbar ausgesetzt. Gibt es wirklich keine Alternative zu dieser gängigen Praxis? Wie können andere Wege zur Grundversorgung aussehen? Wer mag, kann am Treffpunkt mit Gleichgesinnten zu diesem und vielen anderen Themen diskutieren.

Direktsaat stellt eine Form der "minimalinvasiven" Anbaumethoden dar. Darunter versteht man Anbau ohne Bodenbearbeitung. Die Rückstände der Vorkultur verbleiben als Mulch auf der Fläche. Zur Aussaat öffnet man lediglich über schmale Schlitze die Bodenoberfläche. Pflügen und tiefgreifende Eingriffe in die Bodenstruktur sollen möglichst vermieden werden. Dies entspricht einer "naturnahen" Methode Saatgut auszubringen.

Die Ernte ist der Lohn für die Arbeit, das Bangen ob das Wetter gnädig ist, das Geduldig sein... Auf den Gemeinschaftsflächen wird für den Wintervorrat gemeinsam gearbeitet und die Ernte geteilt. In deinem Garten kannst du nach Herzenslust ernten, was gerade reif ist und für den gedeckten Tisch benötigt wird. Lass es dir schmecken!

Fruchtwechsel - oder einfach die natürliche Vielfalt der Arten -  ist entscheident für die Resistenz des Bodens gegen Schädlinge und für seine Fruchtbarkeit. Baut man einseitige Kulturen, sog. Monokulturen, immer wieder auf der gleichen Fläche an, führt dies unweigerlich zur Schädigung und Verarmung des Bodens. Darauf muss wiederum mit Eingriffen wie Dünger, chemischem Pflanzenschutz usw. reagiert werden. Der dadurch verstärkte Schaden äußert sich mitunter in Humusabbau, Verlust des komplexen Bodenlebens, Struktuschädigung des Bodenkörpers (= Erosion) u.v.m. und führt zum dauerhaften Nutzungsausfall der Fläche. In der An-Bauanleitung sind all diese Punkte bedacht, dennoch muss auch dieser Plan immer wieder geprüft und den Bedingungen angepaßt werden.

Die Gemeinschaftsflächen umfassen Treffpunkt, Materiallager, Folientunnel und den Freilandbereich für das Wintergemüse. Die Arbeit wird ebenso wie die Ernte unter ALLEN Gärtnern verteilt.

Schau dir dazu unseren Flächenplan und die Info´s zur Gemeinschaftsfläche an.

Und schon wieder geht´s um den Boden: Was ist eigentlich Humus? Auf "wissenschaftlich": Humus stellt die Gesamtheit aller im und auf dem Mineralboden (lies hierzu M...wie Mineralboden) befindlichen abgestorbenen, pflanzlichen und tierischen Substanzen und deren organische Umwandlungsprodukte sowie durch anthropogene (= menschliche) Tätigkeiten eingebrachte organische Stoffe dar. Auf "deutsch": das Material was durch Zersetzung abgestorbener, organischer Materialien immer wieder neu entsteht und der nächsten Pflanzengeneration schmeckt, sie so richtig zum wachsen bringt!

 

Insekten haben einen schlechten Ruf als lästige Störenfriede, Schädlinge und Krankheitsüberträger. Wir erschlagen, vergiften und rotten sie am liebsten gänzlich aus. Was dabei vergessen wird, ist die Tatsache, das das Funktionieren der Nahrungskette, vieler Umwandlungsprozesse auf und in der Erde bis hin zur Gewinnung von Medikamenten von ihnen abhängt. Jede Frucht die wir essen, so gut wie jede Nuss die geerntet wird, jedes Saatkorn (außer Getreide und Mais), das im Folgejahr wieder ausgebracht werden kann, wird durch die - freiwillige und kostenlose - Arbeistleistung von Bienen, Hummeln und anderen Bestäubern erzeugt. Eine Welt ohne Insekten ist eine tote Welt!

Die benötigten Jungpflanzen für unsere Gärten werden bei namhaften Biobetrieben bestellt und regelmäßig geliefert. Im Gewächshaus wird durch eigene Anzucht ein Grundbestand an Jungpflanzen aus Saatgut und Stecklingen bereit gestellt und zukünftig weiter ausgebaut.

Kompost hilft beim Humusaufbau! Der Kompostplatz gehört ganz selbstverständlich zu unserer Gemeinschaftsfläche. Dort sorgen wir für Mulchmaterial, bereiten eine warme Decke für den Boden vor und erzeugen Nähr- und Mineralstoffe für die Pflanzen. Ein Kompostplatz braucht Aufmerksamkeit! Was auf den Kompost gehört und was lieber nicht, wie man Schädlingsbefall im Garten durch Kompostmaterial vermeiden kann u.v.m., schauen wir uns gemeinsam am lebenden Kompostkörper an.

Die Fläche unserer Gärten liegt am Rande der Nordheide. Diese Region ist durch sandige Böden mit eiszeitlicher Entstehungsgeschichte gekennzeichnet. Genaueres zum Thema Bodenkunde, Entstehungsgeschichte und Eiszeit gibt´s in unseren Workshops und beim Klönschnack am Treffpunkt. Wie du deinen Garten findest, kannst du dir hier anschauen.

Der Mineralboden ist der Bereich, der den Humushorizont in dem die biologischen Prozesse stattfinden, unterlagert. Diesen Bodenbereich erkennt man zumeist an der helleren Farbe, die ihn deutlich von den darüber liegenden organischen Schichten abgrenzt. In unserem Fall besteht dieser Teil des Bodens aus grobem Kies, Sand und Schluff. Schluff ist ein Material das zwischen 61µm und 2µm Korndurchmesser besitzt, alles was noch kleiner ist bezeichnet man als Ton. Wenn man Schluff zwischen den Fingern verreibt, fühlt es sich an wie Mehl. Probier es aus!

Wie bereits erwähnt erfolgt eine - zumindest aus menschlicher Sicht plausible - Einteilung der in der Natur vorkommenden Arten in "Nützlinge" und "Schädlinge". Dabei klingt es ganz logisch, dass der Marienkäfer ein "Nützling" und seine Beute die Blattlaus ein "Schädling" ist. Über diesen Weg wird leider oft die Bekämpfung einer als Schädling eingestuften Art legitimiert. So ganz einfach ist es aber leider nicht, daher sollte die Möglichkeit angestrebt werden, dass im natürlichen Ablauf des Fressens und Gefressen werdens wieder ein Gleichgewicht herrschen darf. Leben bedeutet Co-Existenz... mit dem Habicht, dem Reh, der Schnecke und der Blattlaus oder dem Gartennachbarn.

Vom Gartenbedarf wie Arbeitsgeräten, Pflanzen und Hilfsmittel wird für dich die Organisation der Basisgüter übernommen und diese bereit gestellt. Regelmäßige Infotreffen und Pflanzaktionen bieten die Möglichkeit, alle weiteren Fragen und Anliegen zu klären. Wie jedes Projekt lebt auch dieses von den Teilnehmern, gesammelten Ideen, Wünschen und Fragen. Alles was bereit steht, bildet nur die Basis und lädt nicht nur zum Mitgestalten ein, nein es fordert dazu auf!   

wird regelmäßig aus zur Verfügung stehenden Rohstoffen angesetzt wie z. B. Brennnessel. Die Rohstoffe können wir auf unseren eignen Flächen wie auch in der Umgebung wildwachsend ernten. "Hungrige" Arten können mit diesem Ansatz gegossen werden. Wir unterstützen dabei nur die natürlichen Prozesse zu unseren Gunsten!
Die Qualität von selbstangebautem Gemüse und Kräutern hängt von verschiedenen Faktoren ab. Manche lassen sich, wie die Witterung, nicht beeinflussen. Durch Mischkultur, gute Pflege und die gesammelten Erfahrungen bestimmen wir die Qualität unserer Ernte mit. Alles was jetzt ist, ist nur ein Anfang. Wie unsere Pflanzen werden auch wir wachsen, gute und schlechte Jahre haben. Hier stellt niemand den Anspruch schon im Voraus alles zu wissen, perfekt zu sein.

Der Regenwurm ist einer der besten Freunde des Bodens und damit auch unserer! Wenn der Kompost beim vorsichten umwenden und durchlüften von ihnen wimmelt und der Boden beim Aufgraben einige zu Tage fördert, wissen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ganz einfach zu merken ist: wenn alle was zu essen haben, geht´s jedem gut! Übrigens, bitte lasst den Wurm soweit möglich im Ganzen. Auch wenn er weiterkrabbelt, wenn man ihn zerteilt, so hat er doch nur einen Mund. Es stimmt also keinesfalls, dass aus einem Regenwurm zwei werden, wenn man ihn zerteilt!

Das Arbeitsgerät mit dem schrägen Namen ist ein guter Freund im Garten. Mit dem Sauzahn können wir punktgenau arbeiten und unsere Saatreihen ziehenoder den Boden lockern. Ihr werdet diese Geräte im Materiallager neben vielen anderen finden. Er fordert Handarbeit! Doch wer beim Boden bearbeiten ehrlichen Schweiß vergossen hat, wird seinen geerntete Salat umso mehr schätzen.

Der Torfverbrauch im Garten und in der Landwirtschaft ist ein Problem. In Europa sind über 95% der Moorflächen vollständig vernichtet und ein Ende des Abbaus ist nicht in Sicht. Als CO2-Senke, wichtiger Lebensraum geschützter und vom Ausstreben bedrohter Arten ist der Schutz der Moore unerlässlich. Unsere selbstgezogenen Jungpflanzen wachsen auf Kokohum, einem Abfallprodukt aus Kokosfasern. Dieses Material wird in den Herkunftsländern zumeist als "Müll" verbrannt und beschleunigt somit den CO2-Ausstoß. Es ist hervorragend zur Kultivierung von Jungpflanzen oder als Mischsubstrat für Erden verschiedenster Ansprüche einsetzbar. Negativ ist der weite Transportweg des Materials nach Europa.

Unkraut...eines DER Schlagworte im gärtnerischen und landwirtschaftlichen Bereich! Doch was ist "Unkraut" überhaupt?  Diesen Begriff zu klären und zu hinterfragen, laden wir dich herzlich ein, zukünftig am Treffpunkt zu philosophieren. Es gibt einfach einige Worte, die mal im Detail beleuchtet werden müssen.

Bei Mundwerk soll möglichst eine ganzjährige Versorgung mit eigenem Gemüse angeboten werden. Dazu gehört auch die Möglichkeit im Hofladen den Anbau vom Nachbarfeld (z. B. Kartoffeln) zu erwerben. Die Vegetationsperiode an sich hängt stark von den Witterungsbedingungen ab. Diese sind für uns nicht vorhersehbar oder steuerbar. Durch den Einsatz von Hilfsmitteln wie dem Folientunnel oder Flies können wir ein gewissens Maß an Schwankungen abpuffern aber es gibt dennoch keine Garantien. Wenn im April oder frühen Mai schwere Fröste über das Land ziehen, müssen wir uns der Tatsache beugen, dass unsere Bemühungen frühes Gemüse auszusäen oder zu pflanzen auch mal schief gehen können. Die Gemeinschaftsflächen sorgen für lagerfähiges Wintergemüse. Z. B. Kürbis kann bei guter Lagerung monatelang haltbar sein und schmeckt auch noch im Februar.

Wasser wird zur Verfügung gestellt. Im Bereich des Treffpunktes werden Sammelbehälter und Regenrinnen angebracht, zusätzlich bekommen wir Unterstützung von unserm Bauern mittels einer Kuhtränke oder ähnlichem. Wichtig ist das gießen vor allem, wenn Jungpflanzen in den Boden gesetzt wurden. Ansonsten ist unser Wetter meist gnädig und der Boden hält die Feuchtigkeit gut. Beim Gießen ist weniger oft mehr!

Als Xenophyten oder Adventivpflanzen bezeichnet man solche Pflanzen, die "eingeschleppt" wurden und sich an einem nicht ihrem Ursprungsgebiet entsprechenden Ort etablieren konnten. Solche Arten können sich nur durch Mithilfe des Menschen und seiner Mobilitätslust ausbreiten. Dies gilt übrigens nicht nur für Pflanzen, sondern ebenso für Tiere. Die Ökosysteme sind auf solche kurzfristigen Invasionen nicht eingestellt und haben zumeist keinen Abwehmechanismus.

ist ein altes, etwas in Vergessenheit geratenes Heilkraut. Erwähnung findet die Pflanze bereits in Texten der Bibel. Hildegard von Bingen hatte das Kraut als kraftgebend und reinigend beschrieben. Der Halbstrauch zählt zu den Lippenblütern, wie auch Thymian und Salbei, zeichnet sich durch ein kräftiges Aroma und zarte blau-violett leuchtende sog. Scheinähren aus. Als mehrjährige Pflanze findet er neben vielen anderen Kräutern einen dauerhaften Platz in unseren Gärten.

Ja, ein Garten kostet Zeit. Nein, dieser Zeitaufwand läßt sich nicht im vorab exakt ermitteln. Wir haben es dennoch versucht, lies hier zum Thema Zeitaufwand. Jeder Garten hat seine eigene Zeitqualität. Diese richtet sich nach kurzfristigen Schwankungen im Wetter sowie den Zyklen der Jahreszeiten. Auch die Verarbeitung der Ernte "kostet" Zeit. Was dabei "Kosten" und "Nutzen" ist, entscheidest allein du!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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